Was ist eigentlich Permakultur

Der Begriff Permakultur leitet sich aus den Begriffen „permanent“ und „Agriculture“ ab und bezeichnet damit ein nachhaltiges Konzept für Gartenbau und Landwirtschaft, eine Kultur der nachhaltigen Landwirtschaft und Lebensführung.(Definition nach David Holmgren)
Permakultur ist aber ebenso die Manifestation bestimmter geistiger Prinzipien, die helfen können ein Leben mit leichtem Herzen im Einklang (Gleichgewicht) mit der Natur zu führen.

Konzepte der Permanentkultur die 12 Konzepte nach Holmgren

1. BEOBACHTE UND HANDLE

Observe and Interact

Die Natur ist an Vielfalt, Effizienz und Nachhaltigkeit unübertroffen. Von natürlichen Ökosystemen zu lernen und naturnahe Kreisläufe zu schaffen, ist daher das erste Permakultur-Prinzip.
Im ursprünglichen Wicca / Veccio bedeutet das „Sei im Einklang mit dem Land und den Jahreszeiten“. Ebenso ist es das Buddhistische „rechtes Denken und rechtes Handeln“. Es entspricht dem, was man in der Hermetik als Gedankenkontrolle und Gedankenordnung bezeichnet.

2SAMMLE UND SPEICHERE ENERGIE

Catch and Store Energy

Bei diesem Prinzip geht es darum, die Ressourcen effizient zu nutzen und zu erhalten. Es gilt in Systeme zu investieren, die uns langfristig mit Dingen versorgen, die wir für ein gutes Leben benötigen.

Beispiele hierfür sind ein fruchtbarer Boden, Wasserspeicher (Teiche), mehrjährige Pflanzen und Saatgut.
Das entspricht in der Magie dem Gesetz von Ursache und Wirkung und dem Gesetz der Entsprechung.

3. ERWIRTSCHAFTE EINEN ERTRAG

Obtain a Yield

Wer erntet, hat recht! Ein Ertrag, also ein Einkommen fördert die Motivation der Beteiligten. Entwickeln wir Systeme, die sofort aber auch langfristig einen Ertrag erwirtschaften, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Systeme kopiert und wiederholt werden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Systeme kopiert werden, ist eine Anwendung des hermetischen Prinzips der Resonanz. Man muss etwas tun um Wellen die sich ausbreiten zu erzeugen. So gesehen trifft sich das mit dem Prinzip von Ursache und Wirkung, man wird zur Ursache die die Wirkung determiniert.

4. WENDE SELBSTREGULIERUNG AN UND LERNE AUS DEM FEEDBACK

Apply Self-regulation and Accept Feedback 

Feedback erkennen und nutzen, um dann so wenig wie möglich einzugreifen. Das Ideal dieses Prinzips ist es also, Systeme zu erschaffen, die sich selbst regulieren, auch wenn dies vielleicht nicht vollständig möglich ist.
Was sich hier zeigt ist das Prinzip des Handelns ohne zu Handeln. Man hat durch rechtes (richtiges) Denken und rechtes (richtiges) Handeln, die Grundlagen geschaffen. Es entspricht damit dem Daoistischen Prinzip des Wu wei, was auch bedeutet nicht gegen die Natur zu handeln und die Natur handeln zu lassen.
Ein sich selbst regulierendes System, spiegelt im Laufe des Jahreskreis auch das Prinzip des Rhythmus wieder.

5. NUTZE ERNEUERBARE RESSOURCEN UND LEISTUNGEN

Use and Value Renewable Resources

Wir haben uns die Erde von unsern Kindern nur geliehen. Es ist eine einfache Rechnung: Wir dürfen nicht mehr von dem Konto abheben, als wir auch einzahlen. Erneuerbar Ressourcen, wie beispielsweise Pflanzen sind endlos nutzbar, solange wir die Quelle nicht vergiften.
In den alten Wicca- Vecciotraditionen gibt es die Regel verlasse einen Ort so wie du ihn vorgefunden hast, oder besser.
Hier spiegelt sich auch das wie innen so außen, wie im großen so im kleinen. Ebenso findet man hier das Prinzip von Ursache und Wirkung gespiegelt

6. PRODUZIERE KEINEN ABFALL

Produce No Waste

Es sollen Kreisläufe geschaffen werden, wo alles weiter und wiederverwendet wird.

refuse, reduce, reuse, repair, recycle

verzichten, vermindern, wiederverwenden, reparieren, recyceln

Mach Dir den Überfluss zu Nutze. Unsere Kreativität ist ein mächtiges Instrument. Wo andere in vielen Dingen keinen Nutzen mehr sehen, findest Du vielleicht neue Möglichkeiten.
Das schaffen von Kreisläufen reflektiert das Gesetz von Rythmus, Geschlechtlichkeit und Polarität. Es ist der Tanz von Göttin und Gott, dem drehenden Rad.

7. GESTALTE ERST MUSTER, DANN DETAILS

Design from Patterns to Details

Treten wir noch ein Stück zurück und betrachten die Dinge mit etwas Abstand. Viele übergeordneten Muster und Beziehungen werden erst dann sichtbar.

Durch unsere wissenschaftliche Denkweise verlieren wir uns oft unbewusst in detaillierten Analysen. Wenn wir allerdings die Muster eines Systems erkennen, erlauben sie uns eine Ordnung der Optionen und Gestaltungsmöglichkeiten.
In der Magie ist das die Kunst Ratio und Intutio in Einklang zu bringen, und dadurch aus dem Fluss der Dinge zu handeln.

8. INTEGRIERE, STATT ABZUGRENZEN

Integrate Rather than Segregate 

Stabilität entsteht in vielfältigen, komplexen Systemen. Da Beziehungen zwischen den Elementen entstehen. So wird jede wichtige Funktion von vielen Elementen unterstützt und jedes Element erfüllt viele Funktionen.

Daher wäre eine Monokultur in der Permakultur undenkbar.

9. NUTZE KLEINE UND LANGSAME LÖSUNGEN

Use Small and Slow Solutions Große, schnelle Lösungen führen oft zu unüberschaubaren Problemen. Im Gegensatz dazu plädiert die Permakultur für kleine, langsame Anpassungen, die leicht zu pflegen und schrittweise zu modifizieren sind. Solche minimalen Veränderungen erweisen sich langfristig als nachhaltiger und handhabbarer. Anstatt einen Garten innerhalb einer einzigen Saison komplett umzugestalten, ist es ratsam, mit einem kleinen Kräuterbeet zu beginnen und dieses sukzessive zu erweitern, während das Verständnis für die spezifischen Bedürfnisse des Standorts wächst.

Aus hermetisch-psychologischer Sicht ist dies ein fundamentaler Ansatz. Im Zen-Buddhismus existiert die Einsicht, dass auch die längste Reise mit dem ersten Schritt beginnt. Motivationspsychologisch erweist es sich als zielführend, mit überschaubaren Aufgaben zu operieren, deren erfolgreicher Abschluss garantiert ist. Dies generiert essenzielle Erfolgserlebnisse und stabilisiert die intrinsische Motivation. In der inneren Alchemie entspricht dies dem Grundsatz der Fixatio („Festige das Flüchtige“) – die Seele vollzieht keine abrupten Sprünge; echte, dauerhafte Transformation entfaltet sich im organischen Rhythmus der eigenen Reife und verwehrt sich radikalen, destruktiven Kraftakten.

10. NUTZE UND SCHÄTZE DIE VIELFALT

Use and Value Diversity Vielfalt erhöht die Resilienz eines Systems. In der Permakultur wird konsequent auf die biologische Diversität von Pflanzen, Tieren und auch menschlichen Aktivitäten gesetzt. Ein vielschichtiges System ist signifikant besser in der Lage, Krisen wie Schädlingsbefall, Krankheiten oder klimatische Veränderungen abzufedern. Für die Praxis bedeutet dies, eine bewusste Mischkultur anzulegen, statt sich auf Monokulturen zu verlassen, damit beim Ausfall einer spezifischen Art das Gesamtsystem intakt bleibt.

Friedrich Schlegel notierte in seiner Transzendentalphilosophie: „Das Gewimmel der Götter spiegelt das Gewimmel der Kräfte meiner Seele.“ C.G. Jung führte diesen Gedanken in seiner Tiefenpsychologie fort. Dieses Prinzip lässt sich direkt auf die Integration des Schattens übertragen. Sogenannte „Unkräuter“ besitzen in der Permakultur einen messbaren Nutzwert; sie fungieren als Zeigerpflanzen für die Bodenqualität und die Bodenchemie – das prägnanteste Beispiel hierfür ist der Löwenzahn. Dies verweist auf die hermetische Formel: „Im Namen dessen, der Einer ist in allen und alles ist im Einen.“ Harmonie und Stabilität entstehen nicht durch Gleichschaltung, sondern durch das austarierte Zusammenspiel aller differenzierten Kräfte der Natur und der Psyche.

11. NUTZE RANDZONEN UND SCHÄTZE DAS MARGINALE

Use Edges and Value the Marginal Ränder – die Schnittstellen, an denen unterschiedliche Systeme aufeinandertreffen – bilden die produktivsten und dynamischsten Zonen innerhalb eines Ökosystems. Durch das bewusste Einbeziehen und Wertschätzen dieser Randbereiche werden ungenutzte Potenziale erschlossen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Ökoton, die Übergangszone zwischen Wald und Feld, die eine weitaus höhere Artendichte aufweist als die beiden angrenzenden Systeme für sich allein.

„Hexen sind die, die die Ränder der Realität bewachen“, konstatierte Terry Pratchett. In magischen und animistischen Traditionen werden Grenzen und Hecken seit jeher als Schwellenräume zur Anderswelt definiert. In vielen Volkstraditionen galt es als überlebenswichtig, dem „anderen Volk“ – den Elementarkräften – an den Grundstücksrändern einen ungestörten Wirkungsraum zu überlassen. Dadurch partizipiert der Garten an der Sakralität eines heiligen Hains. Psychologisch spiegeln diese Demarkationslinien die Grenze zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten, dem strukturierten, apollonischen Intellekt und dem wilden, erdigen Prinzip des Dionysos. Es ist folgerichtig, dass sich an genau diesen Übergängen der verborgene Wegstein oder Altar des Hermes befindet – dem Gott des Schwellenraums und des alchemistischen Austauschs.

12. VERÄNDERUNGEN KREATIV NUTZEN UND DARAUF REAGIEREN

Creatively Use and Respond to Change Veränderungen sind sowohl in biotischen als auch in anthropogenen Systemen unvermeidlich. Dieses Prinzip fordert dazu auf, flexibel auf Transformationen zu reagieren und den Wandel als Evolutionschance zu begreifen, anstatt ihn als statisches Problem zu bekämpfen. Wenn sich beispielsweise infolge des Klimawandels die Niederschlagsmuster verschieben, reagiert ein resilientes Design durch die Integration trockenheitsresistenterer Flora oder den Ausbau optimierter Regenwasserspeichersysteme.

Zahlreiche philosophische Traditionen lehren: „Leben ist Bewegung, und Veränderung; Stillstand bedeutet Sterben.“ Hier manifestiert sich die fundamentale Analogie, in der das Äußere das Innere spiegelt. Der Garten fungiert als ein sich permanent transformierender, alchemistischer Prozess. Er verlangt eine achtsame Wahrnehmung der Phänomene und die Bereitschaft zur eigenen Flexibilität.


Der Garten als alchemistischer Prozess

Der Garten dient kulturhistorisch als universelles Symbol für das Paradies oder den Zustand des Himmels. In der inneren Alchemie repräsentiert er die Seele selbst – ein Refugium der Kontemplation, der Naturverbundenheit und der Introspektion.

Zudem bildet der Garten ein direktes, physisches Äquivalent alchemistischer Operationen, wie bereits die Alchemisten der Renaissance darlegte. Das Gärtnern nach den Richtlinien der Permakultur übersetzt das hermetische Axiom der Tabula Smaragdina in die Praxis: „Wie oben, so unten; wie im Großen, so im Kleinen; wie innen, so außen.“

Europäische Barock- und Schlossgärten wurden ganz bewusst mit alchemistischen Allegorien und hermetischen Chiffren aufgeladen: Rosengärten und Labyrinthe waren der Venus gewidmet, während planetare Herrscherarchitekturen in Form von Tempeln, Grotten und Wasserspielen inszeniert wurden. In den ostasiatischen Zengärten und ihren daoistischen Vorläufern dominierte hingegen eine abstraktere Symbolik. Für beide Kulturkreise gilt gleichermaßen: Das tiefere Verständnis dieser Räume erschließt sich erst durch die Kenntnis ihrer metaphysischen Schlüssel.


Synthese: Anwendung im Leben und kritische Abgrenzung

Diese zwölf Prinzipien bilden einen hochgradig adaptiven Werkzeugkasten für die praktische Umsetzung der Permakultur auf sämtlichen Ebenen – sei es in der konkreten Agrikultur, in kollektiven Gemeinschaftsprojekten, innerhalb von Unternehmensstrukturen oder im Kontext des individuellen, spirituellen und psychischen Wachstums. Die fundamentale Qualität der Permakultur liegt in ihrer Skalierbarkeit: Die universellen Gesetze greifen im Mikro- wie im Makrokosmos, wodurch das Prinzip der Nachhaltigkeit universell anwendbar wird.

Obwohl diese Analyse die Permakultur dezidiert durch eine magisch-hermetische respektive hexische Perspektive betrachtet, ist eine scharfe epistemologische Abgrenzung unerlässlich: Es entbehrt sowohl einer validen wissenschaftlichen als auch einer seriösen magischen Logik, ein mit Mist gefülltes Kuhhorn in einer Gartenecke zu vergraben, um die Bodenfruchtbarkeit metaphysisch zu erzwingen. Ähnliches gilt für zeitgenössische, pseudowissenschaftliche Modetermini wie „Quantengärtnern“ (quantum resonance gardening).

Für authentische Spiritualität gilt exakt derselbe funktionale Maßstab wie für die Permakultur: Wenn ein System in der Praxis keinen konkreten Ertrag oder evolutionären Gewinn abwirft, liegt der Fehler nicht im Unvermögen des Anwenders, sondern in der fehlerhaften Konstruktion des Systems selbst.

Hiermit ist diese Arabeske nun beendet