Bedarfsorientierte Wirtschaft

Eine bedarfsorientierte Wirtschaft (auch nachhaltige oder suffizienzorientierte Wirtschaft genannt) könnte den Ressourcenverbrauch um bis zu 70 % reduzieren, weil sie grundlegend anders funktioniert als die heutige konsumorientierte Wachstumswirtschaft. Hier sind die wichtigsten Gründe:

1. Keine geplante Obsoleszenz

  • In der aktuellen Wirtschaft werden viele Produkte absichtlich kurzlebig oder schnell veraltet designed, um mehr Konsum zu erzwingen.
  • Eine bedarfsorientierte Wirtschaft würde langlebige, reparierbare und modulare Güter bevorzugen → weniger Rohstoffverbrauch.

2. Reduktion von Überproduktion & Verschwendung

  • Heute werden etwa 30–50 % aller Lebensmittel weggeworfen, und viele Güter bleiben ungenutzt.
  • Bedarfsorientierung bedeutet Produktion nach tatsächlichem Bedarf (z. B. durch Sharing-Modelle, Kreislaufwirtschaft) → weniger Überschuss.

3. Fokus auf Gemeinwohl statt Profitmaximierung

  • Die heutige Wirtschaft fördert unnötigen Konsum durch Werbung und kurzfristige Modetrends.
  • Eine bedarfsorientierte Wirtschaft würde sinnvolle Güter priorisieren (z. B. Grundbedürfnisse, Bildung, Gesundheit) statt Luxus- oder Statusprodukte.

4. Energie- und Materialeffizienz durch Kreislaufprinzipien

  • Circular Economy (Wiederverwendung, Recycling) könnte den Ressourcenbedarf drastisch senken.
  • Beispiel: Urban Mining (Rohstoffe aus alten Gebäuden/Geräten gewinnen) statt immer neuer Abbau.

5. Sozialer Wandel: Vom „Haben“ zum „Nutzen“

  • Sharing-Konzepte (z. B. Carsharing, Bibliotheken für Werkzeuge) reduzieren die benötigte Menge an Gütern.
  • Studien zeigen, dass viele Haushalte 80 % ihrer Gegenstände selten nutzen – Teilen spart Ressourcen.

6. Regionale Selbstversorgung & angepasste Technologien

  • Lokale Produktion vermeidet Transporte und überflüssige Verpackungen.
  • Low-Tech-Lösungen (z. B. reparierbare Geräte) ersetzen energieintensive High-Tech.

Wissenschaftliche Grundlage:

  • Das Factor-10-Konzept (Friedrich Schmidt-Bleek) zeigt, dass Industrieländern eine 90 %ige Dematerialisierung gelingen muss, um nachhaltig zu wirtschaften.
  • Studien zum ökologischen Fußabdruck (WWF) belegen: Bei gerechter Verteilung der Ressourcen stünde pro Mensch nur 1,8 globale Hektar zur Verfügung – aktuell verbrauchen Industrieländer 4–6 Hektar.

Fazit:

Die Einsparung von 70 % ist realistisch, weil die heutige Wirtschaft extrem ineffizient und verschwenderisch ist. Eine Wirtschaft, die sich an echten Bedürfnissen orientiert, würde nicht nur ökologisch stabiler, sondern auch sozial gerechter funktionieren – mit deutlich weniger „Input“ bei gleicher Lebensqualität.

Quellen:

  • Berichte des Club of Rome („Grenzen des Wachstums“)
  • Konzept der „Donut-Ökonomie“ (Kate Raworth)
  • Studien des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie

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